Die Wurzeln Kleinmachnows reichen bis ins Mittelalter zurück. Der historische Dorfkern mit der evangelischen Dorfkirche, die Ende des 15. Jahrhunderts erbaut wurde, und das Sühnekreuz auf dem Friedhof zeugen von der langen Geschichte des Ortes. Doch seine prägende Phase begann in den 1920er-Jahren, als Kleinmachnow als Gartenstadt für das gehobene Berliner Bürgertum konzipiert wurde. Großzügige Grundstücke, viel Grün und klare architektonische Strukturen prägten das Bild.
Besonders prägend war in dieser Zeit der Einfluss des Neuen Bauens, der in Kleinmachnow früh und sichtbar aufgegriffen wurde. Die Gemeinde zeigte sich offen für moderne architektonische Strömungen und setzte gezielt auf fortschrittliche Planung. In Zusammenarbeit mit dem Bauunternehmer Adolf Sommerfeld entstanden ab 1927 ambitionierte Wohnprojekte, die sich stark an den Ideen des Bauhauses und der Dessauer Schule um Walter Gropius orientierten. Ziel war es, funktionales, lichtdurchflutetes und bezahlbares Wohnen mit klarer Formsprache zu vereinen – damals ein durchaus moderner Ansatz.
Ein zentrales Projekt war die Planung einer Reihenhaussiedlung mit Flachdächern, direkt inspiriert von Gropius’ Konzepten in Dessau-Törten. In den Folgejahren wurden in Kleinmachnow über 1.200 Wohnhäuser errichtet – viele davon in einer architektonischen Mischung aus traditionellem Handwerk und zeitgenössischer Moderne. Besonders hervorzuheben sind das Wohnhaus in der Fontanestraße 16 (Entwurf von Hermann Henselmann, 1932) sowie das von Gropius entworfene Haus in der Tucholskyhöhe 11 (1933). Beide Bauten stehen exemplarisch für die kreative Aufbruchsstimmung jener Jahre – und prägen das Ortsbild bis heute.
Darüber hinaus zählen weitere Baudenkmäler zu Kleinmachnows besonderem Erbe: die Villa Patermann, ein anspruchsvolles Landhaus aus den Jahren 1912/1913, das Landhaus Lily Braun, entworfen von Bruno Paul, die Forschungsanstalt der Deutschen Reichspost mit ihren Institutsgebäuden aus den späten 1930er Jahren sowie die Teltowkanalbrücke bei Dreilinden, ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Teilung. Auch das Wohnhaus des Schauspielers Paul Henckels und das Wohnhaus Kurt Weills sind Teil des reichen architektonischen Erbes. Diese und viele weitere Baudenkmäler finden Sie detailliert in der Liste der Baudenkmale in Kleinmachnow.
Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde dieser moderne Baustil jedoch zunehmend verdrängt. Viele Projekte wurden gestoppt oder architektonisch angepasst. Flachdächer wichen Walmdächern, die Moderne galt als „undeutsch“. Zahlreiche Architekten, darunter Gropius, Taut oder Mies van der Rohe, emigrierten und verloren ihre Wirkungsmöglichkeiten in Deutschland.
Während der DDR-Zeit wurde Kleinmachnow zur abgeschlossenen Grenzregion – was einerseits die Entwicklung bremste, andererseits aber viele historische Bauten vor späterer Verdichtung oder Abriss bewahrte.
Nach der Wiedervereinigung folgte eine umfassende Phase der Sanierung und Neuausrichtung. Der Ort erhielt einen lebendigen Ortskern mit Rathausmarkt, Bürgersaal und Kino, während neue Wohnquartiere – etwa am Hochwald oder rund um die ehemalige Ölmühle – modernen Wohnraum mit Anschluss an die Natur schufen. Heute verbindet Kleinmachnow historische Substanz mit zeitgemäßer Infrastruktur – und das auf einem Niveau, das im Berliner Umland selten geworden ist.